Meine erste Kugel beim Kegeln ist in der Rinne gelandet. Ich war vierzehn, die Bahn lag im Keller einer Dorfgaststätte, und alle haben gelacht — ich irgendwann auch. Geblieben bin ich trotzdem, und heute weiß ich: Die ersten Würfe sagen gar nichts darüber, wie viel Freude dir dieser Sport machen kann.
Was ist Kegeln? Die Grundlagen für deinen Start
Kegeln ist ein Kugelspiel auf einer langen, schmalen Bahn. Am Ende stehen neun Kegel, und du versuchst, mit einer Kugel möglichst viele davon umzuwerfen. Jeder umgefallene Kegel heißt „Holz“. Wer die meisten Holz sammelt, gewinnt. So einfach lässt sich die Frage, was Kegeln ist, tatsächlich beantworten.
Die neun Kegel stehen nicht in einer Reihe, sondern in Form einer Raute: drei Reihen mit je drei Kegeln, die Spitze zeigt zu dir. In der Mitte steht der König, meist etwas größer als die anderen. Die Anzahl der Kegel ist also immer gleich, egal ob du in einer Gaststätte, einem Sportzentrum oder bei Freunden im Partykeller spielst.
Wenn du die Regeln einfach erklärt haben willst, reichen zwei Begriffe:
- In die Vollen: Nach jedem Wurf werden alle neun Kegel wieder aufgestellt. Du triffst also bei jedem Wurf auf das volle Bild.
- Abräumen: Die gefallenen Kegel bleiben liegen. Du spielst auf das, was noch steht, bis alle neun gefallen sind. Erst dann wird neu aufgestellt.
Viele Hobbyrunden spielen beides im Wechsel, etwa ein paar Würfe in die Vollen und danach ein paar zum Abräumen. Daneben gibt es unzählige Spiele, die sich Runden über Jahre ausdenken. Davon später mehr. Wenn du mehr darüber lesen willst, warum Kegeln Groß und Klein zusammenbringt, schau in meinen Beitrag über Kegeln als Familiensport und Freizeitaktivität.
Wie kegelt man? Die Technik von der Haltung bis zum Abwurf
Wer zum ersten Mal auf der Bahn steht, greift die Kugel meistens zu fest und wirft zu schnell. Das ist völlig normal. Gute Kegeltechnik ist eigentlich eine Sache des Loslassens. Die Kugel soll rollen, nicht fliegen.
Griff und Haltung
Nimm die Kugel in die Wurfhand und lege die Finger locker darunter, als würdest du eine schwere Schale tragen. Die andere Hand stützt anfangs mit. Stell dich aufrecht hin, die Füße etwa hüftbreit, den Blick auf die Bahn gerichtet. Viele schauen auf die Kegel. Hilfreicher ist es, einen Punkt auf der Bahn ein Stück vor dir anzupeilen, über den die Kugel laufen soll.
Anlauf und Pendel
Ein paar ruhige Schritte genügen. Während du gehst, schwingt der Wurfarm nach hinten, wie ein Pendel an der Schulter. Er bleibt dabei gestreckt, aber nicht steif. Mit dem letzten Schritt gehst du tief in die Knie, das vordere Bein beugt sich, und der Arm schwingt nach vorn.
Der Abwurf
Jetzt kommt der Moment, an dem die meisten Einsteiger zu früh loslassen. Die Kugel soll flach auf der Bahn aufsetzen, nicht aufschlagen. Lass sie erst los, wenn deine Hand ganz unten ist, knapp über dem Boden. Danach schwingt der Arm weiter in Richtung Ziel, als würdest du der Kugel hinterherzeigen.
Meine drei Tipps fürs Kegeln aus vielen Mittwochabenden:
- Atme vor dem Anlauf einmal tief durch. Das klingt banal, aber die Schultern sinken, und der Arm wird lockerer.
- Lieber langsam und gerade als schnell und schief. Eine ruhige Kugel trifft öfter die Mitte.
- Bleib nach dem Wurf kurz stehen. Wer sofort wegdreht, reißt oft den Arm schon im Abwurf zur Seite.
Dass der Körper beim Wurf manchmal andere Pläne hat als der Kopf, habe ich ausführlicher in Der unterschätzte Gegner auf der Kegelbahn beschrieben.
Bowling oder Kegeln: Wo liegen die Unterschiede?
Kegeln und Bowling werden oft in einen Topf geworfen. Beides ist ein Kugelspiel mit umfallenden Figuren, und doch fühlen sich die beiden ganz unterschiedlich an. Wer schon einmal Bowling gespielt hat, muss sich auf der Kegelbahn ein bisschen umgewöhnen.
| Kegeln | Bowling | |
|---|---|---|
| Figuren | 9 Kegel in Rautenform | 10 Pins im Dreieck |
| Kugel | ohne Löcher, wird mit der ganzen Hand gegriffen | mit drei Löchern für Daumen und zwei Finger |
| Bahn | lang und schmal | breiter |
| Typischer Ort | Gaststätte, Sportheim, Kegelzentrum | Bowlingcenter |
Der auffälligste Unterschied liegt in der Hand. Beim Kegeln hat die Kugel keine Löcher. Du hältst sie mit der flachen Hand und den Fingern von unten. Beim Bowling steckst du die Finger in die Bohrungen. Deshalb fühlt sich die Bowlingkugel beim ersten Mal sicherer an, beim Kegeln dagegen bekommst du schneller ein Gefühl dafür, wie die Kugel rollt.
Auch das Ziel ist ein anderes. Beim Bowling stehen zehn Pins im Dreieck. Beim Kegeln stehen neun Kegel in der Raute, und der König in der Mitte hat oft eine besondere Bedeutung im Spiel. Wer alle neun auf einmal umwirft, hat „alle Neune“ geschafft. Das ist der Moment, für den alle an der Bahn aufspringen.
Und die Bewegung? Beim Kegeln gehst du tiefer in die Knie, der Abwurf ist flacher. Das beansprucht Beine und Rumpf mehr, als man denkt. Wie viel Bewegung tatsächlich in einem Kegelabend steckt, steht in meinem Beitrag über Kegeln als Fitnesstraining.
Ausrüstung: Was du für die Kegelbahn brauchst
Die gute Nachricht zuerst: Für den Anfang brauchst du fast nichts. Kugeln gibt es an jeder Bahn, meist in verschiedenen Größen. Probier zwei oder drei aus, bevor du dich festlegst. Die richtige Kugel liegt ruhig in der Hand, ohne dass du sie krampfhaft festhalten musst.
Schuhe sind der Punkt, an dem Einsteiger am häufigsten stolpern, manchmal wörtlich. Viele Bahnen erlauben nur saubere Hallenschuhe mit heller Sohle, damit der Belag nicht verkratzt und keine Streifen bekommt. Straßenschuhe sind fast überall tabu. Frag am besten vorher nach, ob es Leihschuhe gibt. Ein Paar alte Turnschuhe, die nie draußen waren, sind für die ersten Abende eine gute Lösung.
Bei der Kleidung zählt vor allem Bewegungsfreiheit. Du gehst tief in die Knie und schwingst den Arm weit nach hinten. Eine enge Jeans oder ein steifes Hemd machen das unnötig schwer. Ein bequemes Oberteil und eine dehnbare Hose reichen völlig. Und ein Handtuch, denn an langen Abenden werden die Hände feucht, und eine feuchte Hand lässt die Kugel unberechenbar los.
Eine eigene Kugel lohnt sich erst, wenn du regelmäßig spielst. Bis dahin ist es ehrlich gesagt ganz schön, jede Woche wieder in den Kugelkasten zu greifen und zu schauen, welche heute passt.
Die Kegelbahn-Etikette: Vom Kegel aufstellen bis zum Pudel
Jede Kegelbahn hat ihre ungeschriebenen Regeln. Die wichtigste: Wer gerade dran ist, hat die Bahn für sich. Lauf nicht vor oder neben dem Anlauf herum, und warte mit dem nächsten Wurf, bis die Kegel wieder stehen und die Kugel zurück ist.
Apropos Kegel aufstellen: Auf den meisten modernen Bahnen macht das eine Maschine. Die Kegel hängen dort oft an Schnüren und werden nach dem Wurf wieder hochgezogen. Früher stellte jemand die Kegel von Hand auf, und auf manchen alten Bahnen in Gaststätten ist das bis heute noch zu sehen. Falls bei dir einmal ein Kegel schief hängen bleibt, sag lieber Bescheid, statt selbst zur Bahn zu laufen.
Und dann der Pudel. Ein Pudel ist ein Wurf, bei dem die Kugel vorher in die Rinne rollt und kein einziger Kegel fällt. Er passiert allen, auch Leuten, die seit dreißig Jahren spielen. In vielen Runden gibt es dafür einen kleinen Spott oder eine Strafe in die Spielkasse, ein paar Cent für den nächsten Ausflug. Nimm es mit Humor. Wer über seinen eigenen Pudel lacht, wirft den nächsten Ball meistens lockerer.
Noch ein Wort zur Lautstärke: Kegeln ist gesellig, und es darf laut werden, wenn alle Neune fallen. Auf Nachbarbahnen spielen aber oft andere Gruppen. Ein bisschen Rücksicht gehört dazu.
Tipps für den ersten Kegelabend
Dein erster Abend auf der Bahn muss nicht ehrgeizig sein. Ehrlich gesagt ist es besser, wenn er es nicht ist. Ein paar Dinge machen den Einstieg aber leichter.
Wärm dich kurz auf. Fünf Minuten genügen: Schultern kreisen, ein paar Kniebeugen, die Handgelenke lockern. Wer direkt aus dem Büro kommt, hat oft einen steifen Rücken, und der erste Wurf aus der kalten Schulter fühlt sich entsprechend an. Gerade wenn du sonst viel sitzt, hilft es, Bewegung auch zwischen den Kegelabenden einzubauen. Ideen dafür findest du in Fit durch den Alltag mit kleinen Gewohnheiten.
Spiel am Anfang einfache Spiele. In die Vollen ist für Einsteiger angenehm, weil jeder Wurf neu beginnt. Beim Abräumen musst du gezielt auf einzelne Kegel spielen, und das kommt mit der Zeit.
Kegeln kann richtig witzig werden, wenn die Runde sich eigene Spiele ausdenkt. Bei uns gibt es zum Beispiel Abende, an denen jeder nur mit der falschen Hand werfen darf. Andere Runden würfeln vor jedem Wurf aus, wie viele Holz man treffen muss. Solche Spiele nehmen den Druck raus, weil plötzlich alle gleich schlecht sind.
Auch für einen Geburtstag ist ein Kegelabend eine schöne Idee. Kinder, Eltern und Großeltern stehen auf derselben Bahn, und niemand braucht Vorkenntnisse. Reserviere die Bahn rechtzeitig, frag nach Leihschuhen in kleinen Größen und plane Pausen ein. Zwei bis drei Stunden reichen für die meisten Gruppen gut.
